Über andere Meckern? Ein lauter Hilferuf.

Manchmal steht er da, dieser Griesgram, und meckert über alles, was ihm vor die Füße fällt. Und wenn man ihn so beobachtet, könnte man meinen, er hätte schlechte Laune zu seinem Hobby gemacht.

 Aber ganz ehrlich: So ist es fast nie. Hinter diesem ständigen Gemecker steckt oft ein Mensch, der innerlich längst aufgegeben hat. Einer, der vielleicht schon viel zu lange unglücklich ist und es nicht anders zeigen kann.

Denn Meckern ist laut und kann nicht übersehen werden. Viele Menschen haben irgendwann gelernt, dass leise Gefühle niemanden interessieren. Also werden sie übertönt. Mit Kritik. Mit Genörgel. Mit diesem „Alles ist Mist“-Tonfall, der eigentlich schreit:  Sieht mich denn keiner? Ich bin verletzt. Ich weiß nicht, wie ich da anders rauskommen soll.

Ein Griesgram ist selten hart. Er wirkt nur so. In Wahrheit ist er oft jemand, der zu oft enttäuscht wurde. Jemand, der Nähe nicht mehr zulassen kann, weil sie wehgetan hat. Jemand, der sich hinter seiner schlechten Laune versteckt wie hinter einer Rüstung. Und diese Rüstung ist schwer. Und sie macht einsam. Aber sie fühlt sich sicher an.

Wenn man genauer hinschaut, sieht man die kleinen Risse: die Müdigkeit in den Augen, die Art, wie er seufzt, bevor er meckert, dieses kurze Zögern, bevor er wieder alles schlecht redet. Das sind keine Zeichen von „schlechter Laune“. Das sind Zeichen von innerer Erschöpfung. Von Unglück. Von einem Menschen, der sich selbst verloren hat und einfach nur gesehen werden will. 

Und genau das ist der Punkt, an dem wir anders reagieren können. Nicht alles schlucken und hinnehmen was der Griesgram sagt. Aber verstehen, dass hinter dem Griesgram ein Mensch steckt, der eigentlich nur sagt: Bitte sieh mich. Bitte hör mich. Bitte verurteile mich nicht sofort.

Manchmal reicht ein ehrlicher Moment, etwas Interesse, ein echtes Gespräch, ein bisschen Wärme, um diese Rüstung einen Spalt breit zu öffnen. Und manchmal passiert gar nichts, aber auch das ist okay. Denn Veränderung braucht Zeit. Und Mut. Und jemanden, der nicht sofort zurückschießt.

Und wenn wir ehrlich sind: Wir alle haben solche Tage. Tage, an denen wir selbst meckern, obwohl wir eigentlich nur traurig, gestresst oder überfordert sind. Vielleicht erinnert uns der Griesgram genau daran, dass hinter jedem „Alles ist doof“ ein Gefühl steckt, das sich nicht traut, ausgesprochen zu werden, weil es viel zu oft schon zu Enttäuschung geführt hat.

Passende Beiträge