Wenn Selbstverletzendes Verhalten wie Selbstfürsorge wirkt

Viele Menschen, die sich selbst verletzen, beschreiben ihr Verhalten nicht als „zerstörerisch“, sondern als eine Art Überlebensstrategie. In Momenten großer innerer Not kann Selbstverletzung das Gefühl geben, endlich wieder Kontrolle zu haben, Spannungen abzubauen oder sich selbst zu spüren. Es ist ein Versuch, mit überwältigenden Emotionen umzugehen – und damit, auf eine paradoxe Weise, auch ein Akt der Selbstfürsorge.

Warum fühlt es sich wie Fürsorge an?

  • Spannungsabbau: Der Schmerz lenkt von innerem Chaos ab und schafft kurzfristige Erleichterung.

  • Selbstregulation: Körperliche Empfindungen können helfen, Gefühle wie Angst oder Leere zu ordnen.

  • Kommunikation: Narben oder Verletzungen können ein stummer Hilferuf sein – ein Weg, das eigene Leiden sichtbar zu machen.

  • Überleben: Für manche ist es die einzige bekannte Strategie, um nicht von Gefühlen überwältigt zu werden.

Die paradoxe Logik

Selbstverletzung ist kein gesunder Weg der Selbstfürsorge – aber sie zeigt, dass ein Mensch versucht, für sich zu sorgen, mit den Mitteln, die ihm gerade zur Verfügung stehen. Dahinter steckt das tiefe Bedürfnis nach Sicherheit, Ruhe und Halt. Wer sich verletzt, möchte nicht zerstören, sondern überleben.

Ein liebevoller Blick

Wenn wir Selbstverletzung als missverstandene Form von Selbstfürsorge betrachten, können wir den Blick verändern: weg von Verurteilung, hin zu Verständnis. Das öffnet die Tür für neue, sichere Wege der Selbstfürsorge – wie Gespräche, kreative Ausdrucksformen, Bewegung oder achtsame Routinen.

Selbstverletzendes Verhalten ist ein schmerzhafter Ausdruck von Selbstfürsorge. Es zeigt, dass ein Mensch versucht, sich zu helfen – wenn auch auf eine Weise, die für viele Menschen verstörend wirkt . Indem wir das anerkennen, können wir Mitgefühl entwickeln und gemeinsam neue, heilsame Strategien finden.

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